Memhölz

Geschichte und Gegenwart

Panorama von Memhölz

 

Zwischen dem Niedersonthofener See, dem Rohrbachtobel und dem Stoffelberg liegen
auf einer Fläche von 1362 Hektar, in der Meereshöhe von 704 bis 940 Metern 27
Weiler und Einödhöfe, die zum Dorf Memhölz gehören. Die 550 Einwohner zählende
Ortschaft war bis zur Gebietsreform 1972 selbstständige Gemeinde und ist seitdem ein
Gemeindeteil von Waltenhofen.

Memhölz hat eine lange Geschichte. Schon um 1200 wurde der Name Memehilt urkund-
lich genannt. 1275 nannte man es Memchiltz, 1325 Memhildes, 1353 Memhiltz. Die 1275
erwähnte, im späten 15. Jahrhundert aus Stein neugebaute und in den letzten 100 Jahren
zum wiederholten Male renovierte Sankt-Andreas-Pfarrkirche ist eine der schlichten Dorfkirchen, die zur Allgäuer Landschaft gehören. Im 14. Jahrhundert, offiziell erst1422,
wurde mit ihr die Pfarrei Zellen (1353 Wipscell) vereint. Die dortige Johanneskirche wurde 1806 abgebrochen und eine kleine Johanneskapelle erbaut.
Ein spätgotischer Taufstein, im Chorraum eingelassen, trägt die Jahreszahl 1475 und zwei Wappen der Patronatsherren Reichen-Ritzner (Einhorn auf der Seite der Frau). Das Einhorn wurde 1959 in das Gemeindewappen genommen. Heute sehen wir es als Emblem bei den örtliche Vereinen.

Die kleinen Kapellen und Weiler haben alle ihre Eigenheiten.  So besitzt die dicht am
See gelegene Kapelle von Zellen eine der ältesten Glocken im Allgäu, die im Weiler Hupprechts eine originelles bäuerliches Altärchen aus dem Jahr 1669 zur Ehren der Pestheiligen Rochus und Sebastian. In der Kapelle Helen wird noch jede Woche eine Messe gelesen und am Gedenktag Johannes Enthauptung das Patroziniumsfest gefeiert.

Die liebliche Landschaft mit dem See zog schon immer viele Besucher, darunter prominente Gäste, an. Der Fürstabt Roman Giel von Gielsberg, der die Sankt-Lorenz- Kirche in Kempten erbaute, ließ sich hier um 1650 eine Sommerresidenz errichten. Sie stand damals noch mitten im jetzt stark verlandeten See. Dort, wo jetzt das Gasthaus "Insel" zu finden ist und in jüngster Zeit ebenfalls eine Kapelle gebaut wurde, stand diese Sommerresidenz.

Der Fremdenverkehr hat in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen. Gasthäuser und ein Café stehen für die Bewirtung zur Verfügung. Daneben können Gäste Urlaub auf dem Bauernhof, im Landhaus, in Pensionen, Ferienwohnungen, auf dem Campingplatz oder im Familienerholungsheim verbringen. Doch auch Naherholungssuchende kommen gern in die see- und waldreiche Voralpenlandschaft: zum Baden, Fischen, Kahnfahren, Segeln oder Wandern und im Winter zum Langlaufen und Eissport.

Dem Wanderer bieten sich viele Möglichkeiten. Eine der schönsten Routen führt am
Familienerholungsheim und dem Wallfahrtskapellchen von Schönstatt vorbei zur Ettliser
Höhe, auch Burghalde genannt. Dort errrinnert ein Gedenkstein - Graben und Wall sind noch erkennbar - an eine vorgeschichtliche Befestigungsanlage, die vermutlich in der
Zeit vor Christi Geburt von keltischen Fischern und Bauern als Zufluchtsstätte errichtet wurde. Hier öffnet sich zudem ein umfassender Rundblick, der vor allem nach Süden, über das mittlere Illertal zu den Allgäuer Bergen, überwältigend ist. Der "Burgstall" bei Hupprechts war eine Bauernfliehburg. In Einzenberg wurde ein quadratischer Wehrturm
mit zwei tonnengewölbten Geschossen und Schießscharten in ein Bauernhaus eingebaut.
Er soll im Schwedenkrieg 1646 erbaut  worden sein. Bei Wollmuths, nahe dem Nieder-
sonthofener See, lebten seit dem 15. Jahrhundert auch Eglofser Freie des oberen Sturzes, ebenso in Steig westlich vom Memhölz (1806 noch vier Familien). Die Vereinödung
wurde in der Pfarrei  zumeist schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts durchgeführt.

Memhölz hat bis heute seinen ländlichen Charakter bewahrt. Es dominiert nach wie vor
die Landwirtschaft. Zwar ist die Zahl der bäuerlichen Betriebe zurückgegangen doch an der Bewirtschaftungsfläche ging kaum etwas verloren.

Selbsthilfe und Gemeinschaftssinn wurden von den Memhölzern schon immer praktiziert,
damals, als noch in Eigenregie Straßen und zwei Schulhäuser gebaut wurden und in den
letzten Jahren, als man die Pfarrkirche renovierte. Sehr rege ist auch das Vereinsleben.
Kulturelle Träger im dörflichen Geschehen sind die Musikkapelle und der Kirchenchor.
Zwei Vereine haben sich dem Schützensport verschrieben und pflegen darüber hinaus, wie auch der Sparclub, Geselligkeit. Tradition und Gedenken wahrt der Veteranen- und Soldatenverein. Fast jede Familie ist im Obst- und Gartenbauverein vertreten und sorgt für Landschafts- und Dorfverschönerung.

So ist das Dorfleben auch nach der Schul- und  Gebietsreform lebendig und eigenständig
geblieben.

Am Rande notiert:

Memhölz besteht aus Memhölz (Seedätscher) und Memhölzried (Dasmolla)
Es gibt es erst seit kurzem einen richtigen Straßennamen: Laubgartenweg.
Alle anderen Häuser und Gehöfte sind von Memhölz Nr. 1 bis Aubruck Nr. 101 annodazumal durchnummeriert worden. Neu hinzugebaute Häuser bekamen dann eine "Bruchhausnummer" (z.B: Insel 32 3/4). Um diesen Nummernwahnsinn zu beenden wurde dann bei der Ausweisung von 2 Bauplätzen kurzerhand ein Straßenname eingeführt.

Untenstehend die einzelnen Weiler:
 
in Memhölz:

Berg
Einzenberg
Ettlis
Friesinsel
Gerats
Hupprechts
Insel
Memhölz
Oberburg
Stegacker
Unterburg
Wachters
Wies
Wollmuths
Zellen

Laubgarten

in Memhölzried:

Aubruck
Brenden
Helen
Hubers
Linden
Maind
Oberegg
Steig
Suiters
Türken
Unteregg