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In der
abgelegenen kleinen Bergkapelle in Rohrmoos bei
Tiefenbach-Oberstdorf ist am Flügel des Altars eine Anbetungsszene
aus dem Jahr 1568 zu finden, auf der ein Hirte ein langgestrecktes
Alphorn bläst. Das Alphorn war also bereits vor über 400 Jahren im
Allgäu bekannt. |
| Im März
1958 fand sich ein kleine Gruppe von Menschen, darunter
Heimatpfleger Weitnauer, Dozent Dr. Hermann Regner, Schulrat Regner
vom Heimatverbund Allgäu und der Marktoberdorfer Musikant Alois
Blank in Ettwiesen/Landkreis Marktoberdorf ein. Der Musikant hatte
ein langes rohrförmiges Instrument mit dabei, mit dem er klare Töne
von einem selten gehörten, urhaften Klangcharakter vom Hügel herab
erklingen ließ. Damals wurde wieder das erste Alphorn im Allgäu
geblasen. |
Das
Alphorn ist ein uraltes Instrument, das nachweisbar auch im Allgäu
geblasen wurde. Als "Allgewisches Waldhorn" findet man es
bezeichnet, in anderen Alpengebieten hieß es Alphorn oder Waldhorn,
weil es in waldreichen Gegenden erklang und aus Holz gefertigt
wurde. Auch unter dem Namen Wurzelhorn ist es zu finden, weil es mit
Wurzeln umwickelt wurde. In der Schweiz läuft es unter dem Namen
"Stockbüschel". Das Alphorn ist ein
Naturinstrument, ein in den Alpenländern, hauptsächlich in den
bäuerlichen Regionen, von alters her gebräuchliches, weit hörbares
Hirtenhorn. |
Seine
Formen sind sehr verschieden:
Am häufigsten trifft man heute
die langen, geraden, vorne aufgebogenen Hörner in der Stimmung F.
Das alte Allgäuer Alphorn wies eine Sonderform auf: das Allgewische
Waldhorn hatte eine Rohrlänge von rund drei Metern (F-Stimmung 3,8
Meter), die schneckenförmig gerollt war. |
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Die Urform ist allerdings
das lange, leicht konische Instrument. Da das Alphorn von Spanien
bis Zentralasien ein bekanntes Instrument ist und überall dort
geblasen wurde, wo man Vieh zu hüten hatte, handelt es sich um ein
altes indogermanisches Gemeingut. Es war das "Handy" der Hirten von
früher.
Herkunft und
Geschichte
Es kam bei
den meisten Hirtenstämmen Europas und Asiens vor. Das Hirtenhorn
hatte früher als Lock- und Verständigungsinstrument seinen festen
Platz. Den Ursprung hatte das Alpenhorn in der Form eines
Röhreninstruments. Bereits die Steinzeitmenschen bliesen in hohle
Knochen (Signalpfeife). Aus dem Mittelalter kennt man lange,
gestreckte Blasinstrumente, die später eine gewundene Form erhielten
(Naturinstrument). Unser Alphorn ist somit ein wohlerhaltenes
Naturinstrument, aus früheren Zeiten, das die Entwicklung zu einem
wohltemperierten Instrument, das man in den Bergen und auf dem
Lande, hauptsächlich im bäuerlichen Bereich, geblasen hat. Das
Anblasen von Röhreninstrumenten ist also uralt.
Das Alphorn
ist in seiner Eigenschaft schon sehr früh geschätzt worden. Da das
Spiel auf der Naturtrompete sehr schwierig war und großes Können
erforderte, waren die Bläser im 16. und 17. Jahrhundert
hochgeachtete Leute und in einer eigenen Zunft zusammengeschlossen.
Wie aus der Schweizer Geschichte zu entnehmen ist, haben sich die
Bauern nach dem Ertönen eines leichtgekrümmten Stierhorns zum Rat
versammelt. In der Frage nach Alter und Herkunft des Alphorns
vermuten die Forscher, daß unter dem "Cornua Alpina", das die
südlich siedelnden "Berggermanen" hatten, schon das heutige Alphorn
zu verstehen ist. Man muß allerdings in Betracht ziehen, daß das
hölzerne oder rinderne Hirtenhorn keineswegs nur in den
alpenländischen Alpen vorkommt. Ganz ähnliche Typen begegnen uns in
vielen Ländern (Lur, Russische Hörner, Bucium). Diese Feststellung
findet ihre Bestätigung in einem Wandbild im Dom zu Breisach, aus
dem 14. Jahrhundert. Martin Schongauer (gestorben 1491) bildete dort
zwei Hirten mit zweit Alphörnern ab.
Die Initiative zur Wiedereinführung des Alphorns im Allgäu
ging von Dr. Hermann Regner aus. Er beschaffte ein erstes Instrument
in der Schweiz, wo es als Nationalinstrument gilt. Regner wollte mit
der Wiedereinführung nicht nur eine erfreuliche Rückkehr zum
Ursprünglichen erreichen, sondern versprach sich auch eine positive
Auswirkung auf die gesamte Blasmusik. Regner fand im damaligen
Schullehrer und Volksmusikpfleger Michael Bredl einen Musikanten,
der sich auf dem Alphorn einspielte. Die Regierung von Schaben
beauftragte ihn mit dem Aufbau des Alphornwesens im
Allgäu.
Zunächst folgten Bläser aus
Sonthofen, Thalkirchen und Weiler dem Beispiel Bredls. Das Interesse
an dem alten Instrument wurde rasch größer, und so spielten heute in
den vier Allgäuer Landkreisen 82 Gruppen mit 365 Musikern. Mit der
wachsenden Zahl der Bläser entstand auch das Bedürfnis nach einem
alljährlichen Treffen. Es sollte dazu dienen, dass die Bläser aus
den entferntesten Orten miteinander in Verbindung kommen und in
bläserischen Wettstreit treten können. Die Treffen sind damit nichts
anderes als Hirtentreffen früherer Jahrhunderte, wo das Alphorn als
Sinnbild von Freiheit, Naturverbundenheit und Gläubigkeit
dokumentiert wird.
Daseinsberechtigung
Nach den geschichtlichen Gegebenheiten bin ich
als Vorstand des Arbeitskreises Alphornblasen im Allgäu und als
langjähriger Alphornbläser der Meinung, dass das Spielen auf diesem
Hirteninstrument in unsere schwäbische Heimat gehört. Ich bin im
Allgäu geboren und es liegt mit viel am Herzen, die Kultur meiner
Heimat zu erhalten. Dazu gehört auch die Pflege des Alphornblasens.
Dabei spielt es für mich als Beauftragter keine Rolle, ob eine
Alphorngruppe aus einem schwäbischen Dorf oder aus einer Allgäuer
Stadt kommt. Hauptsache ist, dass diese alte bäuerliche Tradition
nicht der totalen Vermarktung ausgesetzt wird. Was man grundsätzlich
kennt, kann man auch schützen und pflegen, und wer die Dinge
erfasst, kann sie bewahren. Wer sich gegen Kitsch und Missbrauch
durch Geschäfte und Tourismus wendet, ist verpflichtet, auf die
echten, unverfälschten Werte hinzuweisen und sie entsprechend zu
dokumentieren.
"Musizieren ist Leben"
Als
Vorstand des Arbeitskreis Alphornblasen im Allgäu habe ich auch eine
Beraterfunktion wahrzunehmen, die ich nach allen Seiten hin
vertreten will, ist doch unser Leitspruch "Musizieren ist Leben".
Und so meine ich, dass es eine selbstverständliche
Daseinsberechtigung für alle Alphorngruppen gibt, ob sie nun aus dem
Oberallgäu oder dem Donauries kommen, sofern sie nur dem kulturellen
Ziele und Vorstellungen, die ich bereits erwähnt habe, einhalten und
pflegen, denn das Blasen auf dem Alphorn ist die umgesetzte Sprache
einer schwäbischenalemannischen Gemeinschaft. Muttersprache und
Volksmusik auf einer Ebene wird die Identität einer Volksgruppe
erhalten, ob sie nun im Allgäu oder im Donauries gepflegt wird. Man
nennt dies auch eine volkstumpolitische Dimension. Sind wir doch
froh, wenn sich junge Menschen der echten und unverfälschten
Volksmusik verschreiben. Sie haben dadurch ein Hobby, das viele
andere Anfechtungen abwehren kann, die ansonsten Jugendliche
bedrängen. Außerdem sind wir dankbar, wenn die Jugend unser Erbe im
Sinne der alten Hirtentradition fortsetzt und erhält, denn die
urgeschichtliche Entwicklung und Tradition hindurch bis in unsere
Tage die Funktion bestimmt. 'Ich weiß, dass ich mit meiner Meinung
nicht ganz in Einklang zu bringen bin mit der anderer
Volksmusikpfleger. In der Zwischenzeit gibt es aber Alphornbläser in
ganz Schwaben, dem Schwarzwald und der Eifel. Auch in der Schweiz
wird das Alphorn nicht nur in den Alpenregionen geblasen. Und so
möchte ich mit folgendem Wunsch an alle Alphornbläser
schließen:
Spielen wir unser
Alphorn. "Gott zur Ehr und den Menschen zur
Freude"
Quelle: Toni
Hassler |
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